„Wie soll ich ‚ICH BIN selbstbewusst‘ sagen, wenn ich mich gerade alles andere als selbstbewusst fühle?“
Diese Frage stellen sich viele Menschen, wenn sie mit Affirmationen beginnen. Der Satz klingt positiv. Vielleicht beschreibt er sogar genau das, wonach Du Dich sehnst. Und trotzdem meldet sich im selben Augenblick ein Gedanke:
Das glaube ich doch gar nicht.
Die kurze Antwort lautet: Nein. Du musst eine Affirmation nicht bereits glauben, bevor Du beginnst.
Doch daraus folgt nicht, dass jeder beliebige positive Satz der richtige für Dich ist. Denn zwischen „Ich glaube das noch nicht“ und „Dieser Satz hat mit mir nichts zu tun“ liegt ein entscheidender Unterschied.
Du musst nicht überzeugt sein, um anzufangen
Was Du heute bewusst über Dich glaubst, ist nicht alles, was zu Dir gehört.
Dein vertrautes Selbstbild ist im Laufe Deines Lebens entstanden. Erfahrungen, Bewertungen und Vergleiche haben darin ebenso ihren Platz gefunden wie das, was andere Menschen Dir zugetraut – oder nicht zugetraut – haben.
Wenn Dir nun ein ICH BIN-Satz begegnet, der etwas anderes über Dich ausdrückt, kann Dein gewohntes Denken zunächst widersprechen.
Vielleicht hast Du Dich lange nicht als mutig erlebt.
Vielleicht traust Du Dir einen bestimmten Schritt noch nicht zu.
Vielleicht zweifelst Du daran, ob Dir wirklich zusteht, wonach Du Dich sehnst.
Dann ist es nur folgerichtig, dass Du nicht sofort voller Überzeugung sagen kannst: Ja, genau so bin ich.
Die noch fehlende Überzeugung beweist nicht, dass der Satz falsch ist. Sie zeigt zunächst nur, dass er in Deinem bewussten Selbstbild noch nicht selbstverständlich geworden ist.
Neu ist nicht dasselbe wie fremd
Ein Satz darf Dich überraschen. Er darf ungewohnt klingen und etwas über Dich ausdrücken, das in Deinem gegenwärtigen Leben vielleicht nur noch wenig Raum besitzt.
Er sollte Dich jedoch nicht in eine fremde Rolle schicken.
Vielleicht wählst Du für einen beruflichen Schritt spontan den Satz „ICH BIN vollkommen selbstsicher“, weil Selbstsicherheit nach außen wie die naheliegende Lösung aussieht. Doch womöglich liegt das Entscheidende für Dich an einer anderen Stelle: in dem, was Du Dir zutraust. Oder in der Frage, ob Du Dich dieses Erfolges überhaupt wert fühlst.
Dasselbe äußere Ziel kann bei verschiedenen Menschen eine andere innere Antwort brauchen. Genau deshalb unterscheidet die Wunderin-Methode zwischen den drei Ebenen Haltung, Kompetenz und Selbstwert.
Ein möglichst großer oder positiver Satz ist nicht automatisch der passende Satz.
Du musst Deinen ICH BIN-Satz nicht bereits glauben. Er darf neu sein – aber nicht fremd.
Ein persönlicher ICH BIN-Satz soll nichts Fremdes wahr machen
Die Wunderin-Methode beginnt nicht damit, dem gegenwärtigen Selbstbild einfach eine möglichst positive Behauptung entgegenzusetzen.
Ein eigener Wunsch gibt die Richtung. Von dort führt die Methode zu einer persönlichen inneren Ressource, die bereits zu Dir gehört und für Dein heutiges Ziel Bedeutung besitzt. Der ICH BIN-Satz gibt diesem Selbstwissen eine gegenwärtige sprachliche Form.
Er wird Dir also nicht übergestülpt, damit Du Dich lange genug von ihm überzeugst.
Er ist nicht fremd – nur neu.
Vielleicht ist neu, dass Du heute Worte dafür hast. Vielleicht ist neu, dass Du diesem Teil von Dir wieder bewusst begegnest. Und vielleicht ist auch neu, dass ein Satz etwas über Dich ausspricht, das Dein gewohntes Denken noch nicht ohne Weiteres wiedererkennt.
Woher ein persönlicher ICH BIN-Satz nach der Wunderin-Methode kommt, erfährst Du im Artikel „Woher kommt Dein persönlicher ICH BIN-Satz?“.
Was Dein Satz anstelle fertiger Überzeugung braucht
Du brauchst kein inneres Ja auf Kommando. Du musst den Satz nicht mit besonderer Überzeugung sprechen und Dich nicht in eine gewünschte Gewissheit hineinreden.
Entscheidend ist etwas anderes:
Der Satz sollte nicht beliebig gewählt sein. Er sollte nicht lediglich schöner, größer oder positiver klingen als das, was Du bisher über Dich gedacht hast. Und er sollte nicht versuchen, aus Dir eine fremde Person zu machen.
Ein persönlicher ICH BIN-Satz soll etwas Eigenes ausdrücken: die innere Ressource, die zu Dir, Deinem Ziel und der für Dich entscheidenden Ebene gehört.
Die Frage lautet deshalb nicht nur:
Kann ich diesen Satz schon glauben?
Die wichtigere Frage ist:
Soll dieser Satz mich von etwas Fremdem überzeugen – oder bringt er etwas Eigenes in Worte?
Du musst Deinen Satz nicht wahr machen
Wenn Du Deinem persönlichen ICH BIN-Satz begegnest, musst Du nicht mit ihm diskutieren. Du musst keine Gegenargumente unterdrücken und Dich nicht davon überzeugen, dass er bereits vollständig Deinem heutigen Leben entspricht.
Du darfst ihn hören.
Nicht als Behauptung, die durch genügend Anstrengung wahr werden soll. Sondern als sprachliche Begegnung mit etwas, das beim Finden als persönlich und eigen sichtbar geworden ist.
Wiederholung macht den Satz nicht erst wahr. Sie gibt dem darin ausgedrückten Selbstwissen wiederkehrend Raum. Wie daraus allmählich mehr selbstverständliche Verfügbarkeit im Alltag entstehen kann, beschreibt die Wirkweise der Wunderin-Methode.
Muss man Affirmationen glauben, damit sie wirken?
Nein. Eine Affirmation muss zu Beginn nicht bereits Deiner bewussten Überzeugung entsprechen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Du Dir irgendeine positive Aussage vorsetzen und sie nur lange genug wiederholen solltest. Ein persönlicher ICH BIN-Satz soll keine fremde Identität erzeugen. Er bringt etwas in Sprache, das bereits zu Dir gehört.
Du musst ihn nicht schon glauben.
Du musst ihn nicht wahr machen.
Du musst Dich nicht von ihm überzeugen.
Er darf neu sein.
Aber er sollte Deiner sein.